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Finance

Weniger Schaden durch Wirtschaftsdelikte

Wirtschaftskriminalität ist vielfältig: Wer Scheinaufträge an Freunde und Bekannte erteilt, kann sich strafbar machen.
Foto: Pixabay

Im vergangenen Jahr wurde durch Wirtschaftsdelikte weniger Schaden angerichtet als noch 2017. Am meisten Deliktfälle wurden vor den Gerichten in Zürich und der Nordostschweiz verhandelt. Zu diesem Ergebnis komm eine Studie von KPMG.

2018 verursachten Wirtschaftsdelikte in der Schweiz einen Gesamtschaden von rund 166 Mio. Franken. Dabei wurden vor Schweizer Gerichten 50 Fälle mit einer Mindestdeliktsumme von 50‘000 Franken behandelt. Gegenüber dem Vorjahr reduzierte sich der Gesamtschaden um rund 61 Prozent. Zu diesem Ergebnis kommt der «KPMG Forensic Fraud Barometer».

Die Anzahl gerichtlich behandelter Delikte sank gegenüber dem Vorjahr ebenfalls spürbar, von 59 auf 50 Fälle. Dieser Rückgang lässt jedoch keinen verbindlichen Rückschluss auf eine generelle Abnahme von Wirtschaftskriminalität in der Schweiz zu, wie KPMG das Ergebnis kommentiert. Die Statistik von KPMG erfasse nur öffentlich verhandelte und in den Medien publizierte Gerichtsfälle. Erfahrungsgemäss wird der Grossteil der Straftaten gar nicht erst zur Anzeige gebracht. Demzufolge ist von einer bedeutenden Dunkelziffer auszugehen.  

Gewerbsmässige Betrüger im Vormarsch  

Waren 2017 die häufigsten Wirtschaftsdelikte noch dem Management betroffener Unternehmen und Organisationen zuzuschreiben, wurden 2018 die meisten Delikte von gewerbsmässigen Betrügern begangen (15 Fälle). Hinsichtlich Schadensvolumen stellten jedoch Management oder Angestellte mit insgesamt über 82 Mio. Franken die grösste Tätergruppe dar. Somit entstand der grösste Schaden jeweils durch firmeninterne Täter.

Den grössten Schaden durch Wirtschaftsdelikte erlitten 2018 Genossenschaften, Hilfsorganisationen oder Vereine und Verbände, die in 24 Fällen um insgesamt 50 Mio. Franken betrogen wurden. Auch Investoren geraten häufig ins Visier von Wirtschaftsverbrechern. Der Schaden für diese Opfergruppe belief sich auf 47,7 Mio. Franken.

Nordostschweiz mit vielen Wirtschaftsdelikten  

Die meisten Wirtschaftsdelikte wurden in der Region Zürich und in der Nordostschweiz verhandelt: In der Region Zürich belief sich das Gesamtschadensvolumen in insgesamt 18 rechtsgültig entschiedenen Fällen auf 25,7 Mio. Franken, in der Nordostschweiz in 15 Fällen sogar auf über 57 Mio. Franken. In den drei vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona verhandelten Fällen ging es um eine Gesamtschadenssumme von 48,8 Mio. Franken. Demgegenüber betrafen die in der Zentralschweiz behandelten Fälle vergleichsweise kleinere Schadenssummen. 

Zwei Beispiele eines Wirtschaftsdeliktes

Ein Mitarbeitender vergab in seiner Funktion als Projektleiter über zehn Jahre lang Scheinaufträge an Firmen ihm bekannter Personen. Auf diese Art und Weise erwirtschafteten die Täter einige Millionen, die sie sich teilten.

In einem weiteren Fall hatte ein Industrieunternehmer über seine ehemalige Firma Spendengelder von umgerechnet 4,39 Mio. Franken veruntreut, die eigentlich für Hilfswerke bestimmt gewesen waren.