Technologische Innovationen: Fluch oder Segen?

Unternehmen und Institutionen werden sich 2018 in zahlreichen Spannungsfeldern bewegen. Diese entstehen zwischen Polen wie „digital / physisch“, „Mensch / Maschine“, „Automatisierung / Kontrolle“, und „Anonymität / Rückverfolgbarkeit“. Erzeugt und verstärkt werden sie vor allem von technologischen Innovationen. Dazu zählt die Verbreitung künstlicher Intelligenz, sprachgesteuerter Geräte und intelligenter Kameras. 

Zu diesem Ergebnis kommt die Design- und Innovationsberatung Fjord (Teil von Accenture Interactive) in ihrem aktuellen Trends 2018 Report. In sieben Trends beschreiben Fjord und Accenture, wie sich Spannungsfelder und Technologie auf Wirtschaft und Gesellschaft auswirken und welche Gestaltungsmöglichkeiten sich daraus ergeben.

1) Die Rückkehr des ‚Echten‘. Menschen legen wieder grösseren Wert auf physische, menschliche und sinnliche Erlebnisse. Wer neue Services und Produkte anbietet, muss physische und digitale Angebote elegant verknüpfen. Es wird immer wichtiger, mit Technologie ‚echte‘ Erlebnisse zu ermöglichen.

2) Computer haben jetzt ein Auge auf alles. Mit intelligenten Kameras können PCs, Smartphones und andere Geräte heute Gesichter, Gefühle und Muster dahinter erkennen. Das eröffnet Chancen für neue Produkte und Dienstleistungen. Ob Menschen diese jedoch in ihrer Umgebung akzeptieren werden, hängt entscheidend von Datensicherheit und -schutz ab.

3) Die Marke als Algorithmus-Sklave. Verbraucher werden zunehmend über digitale Assistenten und sprachgesteuerte Geräte einkaufen. Hier treffen Alexa & Co. die (Vor-)Auswahl, was konsumiert wird. Was für den Kunden bequem ist, wird zum Problem für Marken. Denn die dahinterliegenden Algorithmen sind für klassische, visuell-emotionale Marketingmassnahmen nicht empfänglich.

4) Maschinen auf Sinnsuche. Künstliche Intelligenz wird die Arbeitswelt nachhaltig verändern. 2018 müssen sich Organisationen konkreter denn je fragen: Wie soll die Zusammenarbeit von Mensch und Maschine zukünftig aussehen und organisiert sein? Wie bereiten wir Mitarbeiter auf berufliche Aufgaben und Karrierewege vor, die heute noch nicht absehbar sind?

5) Vertrauen auf Transparenz. „Fake News“ ist zum Synonym für die Vertrauenskrise in Schlüssel-Institutionen der Gesellschaft geworden. Organisationen können mit Transparenz dagegenhalten, zum Beispiel durch den Einsatz von Blockchain-Technologie. Gerade im digitalen Wettbewerb wird es darauf ankommen, stärker auf “Trust Points“ und weniger auf „Touch Points“ zu setzen. Das heisst, dass der Kontakt, den ein Kunde mit Marken und Unternehmen hat, nicht nur einfach und bequem ist, sondern auch möglichst transparent.

6) Erfolgsfaktor Ethik. Es kann Marken heute das Genick brechen, in welcher Form sie das Weltgeschehen kommentieren oder dies unterlassen – nicht zuletzt wegen der Reichweite und Bedeutung von Social Media. Reaktion als Strategie reicht nicht mehr. Gerade Unternehmen müssen mehr denn je bereit sein, von sich aus mit vollem Einsatz für Werte einzutreten.

7) Design jenseits des Tellerrands. Designgetriebene Ansätze stehen bei Unternehmen hoch im Kurs. Mit Design Thinking und agilen Entwicklungsmethoden bringen sie Produkte immer schneller auf den Markt. Der kreative Funke bleibt dabei oft auf der Strecke. Umso wichtiger ist es für Design-Profis zukünftig, sich auf ihr Handwerk zu besinnen, seinen Stellenwert hervorzuheben und es weiterzuentwickeln, auch mit Blick auf neue digitale Möglichkeiten.

„2017 war ein Jahr der Polarisierung in vielen Lebensbereichen“, sagt Mark Curtis, Chief Client Officer bei Fjord. „Jeder Trend, den wir identifiziert haben, hat seinen Ursprung in einer starken Veränderung, einem Aufeinanderprallen von Meinungen oder einer Spaltung. 2018 steht unter dem Vorzeichen dieser wachsenden Spannungen. Die drängende Frage wird sein, inwieweit Unternehmen und andere Organisationen in der Lage sind, sie positiv zu gestalten.“

„Die haarigsten Herausforderungen – aber eben auch die grössten Chancen – entstehen dort, wo es um Interaktionen zwischen Mensch und Maschine geht“, ergänzt Hartmut Heinrich, Group Director und Leiter des Fjord Studios in Zürich. „Das Digitale wird zu einem integralen Teil unserer ‘echten’ Welt. Es definiert die Beziehung der Menschen mit ihrer Umwelt neu, ob als Kunden, Anwender, Mitarbeiter, Patienten oder Bürger. Mehr denn je sollten sich Unternehmen und Institutionen darüber bewusst sein, welchen Sinn und Zweck sie für Menschen erfüllen, auch jenseits der Produkte und Dienstleistungen, die sie anbieten.“

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